Auf der Fahrt rechtsseits der Mosel sind wenige, eigentlich gar keine WoMo Plätze. Da ging es bei Rüdesheim schon los. Ja gut, Rüdesheim liegt am Rhein, das ist bekannt. Doch hier, keine Parkmöglichkeit für Wohnmobile. Nun, diese braucht die Stadt auch nicht denn sie hat genügend Besucher. Ein Campingplatz ist weit vor den Toren von Rüdesheim und man muss schon gut zu Fuß sein um den Marsch in die Stadt, immerhin brauchten wir bis zur Drosselgasse genau 48 Minuten.
Rüdesheim, die Stadt zu beschreiben würde bedeuten Eulen nach Athen zu tragen. Wir haben es mehr auf kleinere Orte nunmehr in Richtung Mosel abgesehen auf dieser Tour. Doch hier, vor allem auf der rechten Seite Wohnmobilplätze? Selten. Ja doch, auf Campingplätzen und da ist es, salopp ausgedrückt, gerammelt voll. Auch die Preise sind nicht gerade moderat. Da fällt uns der Landstraße 49 ein unscheinbarer Ort auf, Alf. Nein, er hat nichts mit der gleichnamigen Fernsehserie zu tun. Es ist ein ruhiger, beschaulicher Weinort. Fast, na gut nur fast, jeder ist hier Winzer. Doch wer einen Supermarkt sicht muss schon mit dem Bus oder anders motorisiert, bzw. zum 7 Kilometer entfernten Zell an der Mosel, oder mit der Fähre nach Bullay, vorlieb nehmen. Das ist für richtige Wohnmobilisten kein Problem. Im Ort selbst gibt es einen Bäcker und Metzger.

Ausgerechnet hier in Alf, am Ortsanfang, ist ein kleines Schild hinweisend auf einen WoMo Stellplatz am Freibad. Den steuern wir an. Erstaunlich ist, wo doch alle Campingplätze mit Wohnmobile eng an eng belegt sind das hier kein einziges Wohnmobil steht. Da sind wir richtig und der Platzwart, gleichzeitig Bademeister im Freibad gibt uns wertvolle Hinweise zum wandern. Nachdem wir erst um 19 Uhr ankamen ruhen wir uns erst einmal aus. Am frühen Morgen dann, es nieselt allerdings ein wenig, gehen wir mit entsprechender Kleidung los, den Weg in Richtung der Burg Arras.

Bereits vom WoMo Platz aus haben wir nach hoch oben geschaut um etwas von der Burg in Augenschein zu nehmen. Zugegeben, von unten, vom Platz des Freibades aus, sieht es aus wie ein älteres Gemäuer dessen Besuch sich dennoch lohnt wie wir im Ort erfuhren. So geht’s am nächsten Tag los.

Übrigens, wer den eigentlich gut zu Fuß zu bewältigenden Weg zur Burg scheut, kann mit dem PKW oder Zweirad den Fahrweg nach oben wählen. Kurz vor dem Zugangstor zum Burgareal ist ein PKW Parkplatz.

Wir sind überrascht. Doch das Gesehene lässt sich in Bildern besser darstellen. Ach ja, eigentlich ist fotografieren verboten. Da wir aber glaubhaft machen konnten das wir darüber einen Artikel schreiben wurde uns erlaubt wenige Fotos zu machen, ohne Blitz versteht sich.

Etwas Kurzgeschichte zur Burg.
Das bereist im ersten Jh. n. C. hier eine Burg gewesen sein muss, davon zeugen antike Münzen und Grabgelege. Schon damals war der Name „Arras“ geprägt. Um 350, dem Sturm der Völkerwanderung, wurde die Burg weitgehend zerstört. Auch das ist nachgewiesen durch Münzen mit der Bildprägung römischer Kaiser und Feldherren. 919 wurde die Burg königliches Alleineigentum. Dem 30-jährigen Krieg entkam die Burg ohne Beschädigung. Im pfälzischen Erbfolgekrieg wechselte sie den Besitzer und wurde dennoch von fremden Truppen zerstört. Ab da gab es keine hochrangigen Besitzer, der weitere Besitzer bekam lediglich den Titel „Herr auf Arras“ Genaueres über das Leben und Wohnen des Burggebäudes ist im Staatsarchiv Koblenz in Erfahrung zu bringen.
Was ist in der Burg zu sehen? Zunächst geht man vom Eingangstor noch etwa 15 Minuten aufwärts durch das Haupttor, am Verließ vorbei, zahlen unseren Besucherobulus und schon sind wir am Eingang zum Rittersaal. Doch halt, nach rechts gehend ist die Frauenkeminate.

Hier, im Frauenzimmer, war als einziger Raum im ganzen Haus, eine Heizung. Hier zu sehen u.a. eine Dürergraphik vom Kaiser Maximilian I.. Er wurde im Jahre 1512 von den Arrasrittern als Schutztruppe zum Reichstag begleitet.

Im grafischen Kabinett ist beachtenswert das der Österreichische Kaiser Franz der letzte Lehnsherr der Reichsburg Arras bis zur Abtretung des linken Rheinufers 1801 an die Preußen nach dem Wiener Kongress war. Ein anderes Gemälde hat der Karlsruher Maler Biese um 1880 gefertigt, den Alfer Prinzenkopf, gemalt mit Blickrichtung zur Marienburg. .

Im linken Raum, welcher dem früheren Bundespräsidenten Dr. h.c. Heinrich Lübke gewidmet ist, sind persönliche Gegenstände und vor allem das Aussöhnungsgeschenk der deutsch-französischen „Feindschaft“ dargestellt. Übrigens war Dr. h.c. Heinrich Lübke der Onkel der heutigen Besitzer, der Eheleute Maria und Otto Keuthen. Diese haben nach dem Tode von Dr. Homburg das Anwesen übernommen und von Grund auf renoviert.
Da Bundespräsidenten, Bundeskanzler und das Kabinett sowie Regierungsangehörige die bekommenen Geschenke als „Allgemeingut“ zu betrachten haben gehören diese ihnen nicht als Eigentum sondern sind nach wie vor Eigentum des Staates, somit auch dem Volk.

Ein besonderes Geschenk ist vom damaligen Kaiser von Abessinien, Haile Selazi, der goldene Schlüssel.
Der Rittersaal hier auf der Burg Arras stellt sich zweigeteilt dar. Ansichten von der Mosel sind im rechten Raumteil während Waffen und Rüstungen im linken Teil ausgestellt sind. Da sieht es schon etwas Respekt beeinflussend aus. Bevor es nun den 20 Meter hohen Turm aufwärts geht ist rechts die um das Jahr 1100 gebaute Zisterne zu sehen. Sie fasste einst 36.000 Liter Wasser. Das war auch notwendig denn, wurde die Burg belagert musste unter Umständen für mehrer Monate für Mensch und Tier Trinkwasser zur Verfügung stehen. Das Wasser war immer frisch dank der umgebenden Mauern welche die Temperatur kühl hielt und zusätzlich durch die Dunkelheit keine Algen bilden konnten. Auf halber Höhe der Treppen, dem ersten Geschoß, ist die Laurentiuskapelle in einer Nische zu sehen. Unter Beachtung der entsprechenden Ehrfurcht haben wird das Foto gemacht.

Die Burg Arras war seit 938 eine Reichsburg. Es ist heute noch die einzige Burg an der Mosel welche in einmaliger Lage einen Rundblick vom 20 Meter hohen Turm in die umliegenden Täler gewährt.

In einer Nische der oberen Randturmmauern ist die Darstellung der Heiligen Barbara mit dem Turm dargestellt.

Sie gehört zu den 14 Nothelfern und ist Schutzpatronin der Wehrbauten und Türme. Weiter ist sie die Beschützerin gegen Blitzschlag und Feuersbrunst. Ihr Ehrentag ist alljährlich der 4 Dezember.
Zugang zum ehemaligen Weinkeller, den 7 weiteren Kellern die als ehemalige Lagerräume für Obst und Gemüse dienten, und verständlicherweise auch die Privaträume, konnten wir nicht besuchen. Das zur Burg Pferde gehörten ist selbstverständlich wie auch zur eigenen Versorgung Rindvieh und Schweine. Ebenso standen für den Eigennutz die Jagdbereiche vom Kondelwald bis Bad Bertrich zu. Zunehmend verfiel die Burg im Laufe der weiteren Geschichte und wurde als „Stenbruch“ genutzt. Als einziges Bauwerk überstand der bereits im 16. Jh. 800-jährige Turm, als Bergfried dienend, mit seinen im Erdgeschoß 4 Meter dicken Mauern diesen Zerstörungen. Stolz ist man heute darauf dass es heute noch das älteste Bauwerk zwischen Koblenz und Trier ist.
Das außerhalb zu besichtigende zweistöckige verließ zeigt die damalige Rechtsprechung durch eigene Gerichtsbarkeit auf der Burg an. Und, wehe dem der hier hereinkam ……. Hier ist es gut wenn Eltern entscheiden ob ihre Kinder tatsächlich mit zur Besichtigung gehen sollten.


Nach ausgiebigem Besuch nun geht es hier in die ritterliche Gaststube wo für gut Essen und Trinken gesorgt wird.

Im Hotel bietet sich ein besonderes Ambiente das gerne zu Hochzeiten gemietet wird. Dazu ein Extrabonbon: Ein Geschenk des Hauses ist es an das Hochzeitspaar bei gebuchter Feier eine Übernachtung im Hochzeitszimmer. Natürlich kann eine Buchung auch für Tagungen, zu Familienfeiern oder Ausflügen nach vorheriger Anmeldung erfolgen. Telefon: 06542 22275
Zur Burg und Geschichte gibt es ein illustriertes Buch mit dem Titel: „Von den Römern über die Welt der Ritter in die Moderne Geschichte der reichs- und trierischen Landesburg Arras“
Neu ist auf der Burg das Laser-Institut das von spezialisierten Hautärzten geleitet wird. Hier u.a. zur Behandlung kommend bei Hautalterung, Falten, Couperose und störender Behaarung. Info unter Tel.: 06542 900080.

Übrigens, zu finden ist der schöne, ruhig gelegene fast einsame WoMo Platz 56859 Alf an der Mosel, Am Mühlenteich, über die
Koordinaten L: 7.112107 B: 50.052600
Näheres www.arras.de
